GRUSSWORT

Beinahe täglich lassen sich in München an verschiedenen Orten Demonstrationen, politische Aktionen und Interventionen beobachten, mit denen die Menschen Kritik und politische Forderungen zum Ausdruck bringen: lautstark, heftig oder verhalten, schweigend, auf der Suche nach neuen Protestformen, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen. Was sich dabei über Jahrzehnte entwickelt und verändert hat, wie sich Inhalt und Form gewandelt haben – über all dies und mehr lässt sich in den nächsten vier Monaten bei vielen Gelegenheiten diskutieren.
Eine große Anzahl von Kooperationspartnern hat es möglich gemacht, dass bis Juli 2011 das Thema „Protest seit 1945“ in ganz München präsent sein wird. Mehr als 100 Veranstaltungen (Debatten, Ausstellungen, Vorträge, Filmabende, Lesungen, Stadtrundgänge, Konzerte, Symposien, Kunstaktionen und Politstammtische) bieten die Chance, sich mit vielen Aspekten des Themas auseinander zu setzen.
Dieses Programm - zusammen mit der Veröffentlichung „Auf den Barrikaden! Proteste in München seit 1945“ (hg. von Zara Pfeiffer) und der Protestchronik von Günther Gerstenberg - ist gemeinsam mit dem Kulturreferat und dem Münchner Stadtarchiv vorbereitet worden. Wir sind erst am Anfang eines Weges, der die Geschichte des Aufbegehrens genauer unter die Lupe nimmt. Wir rücken ein weitgehend ungeschriebenes Kapitel der Münchner Stadtgeschichte und des urbanen Lebens in den Mittelpunkt. Ich hoffe, dass wir damit weitere Auseinandersetzungen - z.B. auf wissenschaftlicher Ebene - anstoßen können.
Mein Dank gilt den Veranstalterinnen Andrea Naica-Loebell und Ruth Oppl für Konzept und Organisation der Reihe und für ihr großes Engagement, die Vielfältigkeit des Themas in ganz unterschiedlichen und auch ungewöhnlichen Formaten sichtbar zu machen.
Ich wünsche allen, für die dieses Programm gemacht wurde, Veranstaltungen voll Inspiration und Diskussionsfreude.
Dr. Hans-Georg Küppers
Kulturreferent der Landeshauptstadt München
Foto: (c) Volker Derlath
